Pilz kapiert’s nicht

ANALYSE. Mag sein, dass „politische Spiele“ gegen ihn laufen. Ändert das jedoch etwas an den Vorwürfen gegen ihn? Nein.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich in der österreichischen Politik einige Dinge zugetragen, über die man sich wundern konnte. Zum Beispiel, dass SPÖ-Internas kapitelweise und damit ganz eindeutig auch von Unbekannten gesteuert über ausgewählte Medien veröffentlicht wurden. Doch hat das die Inhalte relativiert? Nein. Parteichef Christian Kern versuchte es zwar, allein schon die Ablöse von Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler war aber ein zu deutliches Eingeständnis: „Wir haben Mist gebaut.“

Auch bei Peter Pilz kann man sich nun wundern, dass die Vorwürfe, er habe Frauen sexuell belästigt, erst nach der Wahl bekannt wurden. Will sich da jemanden rächen? Nachdem für den 63-Jährigen selbst die Vorwürfe am Samstag noch so schwerwiegend waren, dass er seinen Rücktritt erklärte, hat er sich’s übers Wochenende anders überlegt. Politische Spiele seien gegen ihn im Gange, ließ er am Montag im Ö1-Morgenjournal wissen. Und: „Ich ziehe mich nicht aus der Politik zurück, mit Sicherheit nicht.“*

Mit jedem Tag, mit dem Peter Pilz das nicht zur Kenntnis nehmen will, verschlimmert er seine Situation nur noch.

Ist der Mann also Opfer? Wenn, dann zunächst ausschließlich sein eigenes. Er will nicht kapieren, was entscheidend ist: Die ausführlich dokumentierten Vorwürfe einer ehemaligen Mitarbeiterin; und die laut „Falter“ von Zeugen bestätige Belästigung einer Frau in Alpbach, an die er sich nicht erinnern kann.

Das reicht. Pilz kann da nur die eine Konsequenz ziehen, sich zu verabschieden. Alles andere tut nichts zur Sache. Der Zeitpunkt, zu dem das nun alles aufkommt, genauso wenig wie Motive, die dahinterstehen könnten, seien es partei- oder nicht parteipolitische.

Mit jedem Tag, mit dem Peter Pilz das nicht zur Kenntnis nehmen will, verschlimmert er seine Situation nur noch. Zumal er sich letzten Endes gegen die Frauen richtet, die erklären, von ihm belästigt worden zu sein. Was in Zeiten, in denen sich immer mehr Frauen (und Männer) überwinden, zum Teil jahrelang zurückliegende Missbrauchsfälle auszusprechen, überhaupt unmöglich ist. Vor allem für einen Politiker - er darf sich einer solchen gesellschaftlichen Entwicklung schon gar nicht in den Weg stellen.

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*)  Montagmittag teilte Pilz laut ORF.AT mit, dass er sein Nationalatsmandat vorerst zurücklegen werde. 

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