Ohne Sozialleistungen wäre jeder Zweite armutsgefährdet

BERICHT. Statistik-Austria-Studie: Ohne die vielen Milliarden wären es nicht 14, sondern 45 Prozent der Österreicher.

Die hohe Steuer- und Abgabenquote ist vor allem auf den sehr ausgeprägten Wohlfahrtsstaat zurückzuführen. Sozialleistungen insgesamt machten im vergangenen Jahr mehr als 100 Milliarden Euro aus. Auf monetäre, also reine Geldleistungen, entfielen laut Statistik Austria immerhin 70,8 Milliarden Euro. Sie hatten eine beträchtliche Wirkung.

„Sozialstaatliche Maßnahmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Armut. Gäbe es in Österreich keine Sozialleistungen, lägen die Haushaltseinkommen von 45 % der Bevölkerung unter der Armutsgefährdungsschwelle. Durch den Bezug von Pensionen, Familienbeihilfen, Arbeitslosengeldern und sonstigen (monetären) Sozialleistungen reduziert sich die Armutsgefährdung auf 14,1 % der Bevölkerung“, so Statistik Austria in einer Analyse.

Wobei man beachten muss: „Armutsgefährdung“ ist ein relativer Begriff. Er orientiert sich am mittleren Wohlstandsniveau in der Gesellschaft. Demnach ist vereinfacht ausgedrückt jemand, der 1000 Euro im Monat verdient, arm, wenn alle anderen auf das Doppelte kommen und reich, wenn sie nur die Hälfte erreichen. Was nachvollziehbar ist: Im einen Fall wird ihm die gesellschaftliche Teilhabe schwer, im anderen leicht fallen.

Doch zurück zur Bedeutung der Sozialleistungen laut Statistik Austria: 45 Prozent Armutsgefährdete ganz ohne diese würde fast vier Millionen Personen entsprechen. Kein Wunder: Viele leben eben nicht nur von einem klassischen Erwerbseinkommen.

Mit 40,8 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der Sozialleistungen fließt in Form von Versicherungsleistungen wie Pensionen und dem Arbeitslosengeld. Daneben gibt es „Universelle Leistungen“ wie Pflegegeld und Kinderbetreuungsgeld; sie machen 8,9 Milliarden Euro aus. Auf „Bedarfsgeprüfte Leistungen“ wie Ausgleichszulage, Notstandshilfe und Mindestsicherung entfallen 3,6 Milliarden Euro, auf „Sonstige Leistungen“ (Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, Betriebspensionen etc.) 17,5 Milliarden Euro. Stand: 2016.

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