Norbert Hofer ist kein Demokrat

KOLUMNE VON LIBERO*. Der blaue Präsidentschaftskandidat ist ein Gesprächszerstörer, weil er zum redlichen Diskurs entweder nicht fähig oder nicht willens ist. Seine Methoden sind antidemokratisch.

Er mähe daheim in Pinkafeld den Rasen, gewährte Norbert Hofer im allerletzten TV-Duell mit Alexander Van der Bellen Einblick in sein Pinkafelder Privatleben. Zwar zählt Rasenmähen nicht zu den zentralen Kompetenzen eines Bundespräsidenten, doch um die ging es Hofer auch nicht. Er wollte eine spezielle Botschaft transportieren: Einer, der höchstpersönlich Gartenarbeit erledigt, könne nicht der von der FPÖ – ganz nach Vorbild Donald Trump – heftig attackierten Elite angehören. Sagt ein Dritter Nationalratspräsident, der 14.766,70 Euro brutto verdient und sich vom Chauffeur durch das Land kutschieren lässt.

Ein derart langer Wahlkampf entblößt Kandidaten vollkommen und macht sie somit besser einschätzbar. Hofer konnte über eine erstaunlich lange Strecke das Image des smarten Freiheitlichen pflegen, um sich letztlich aber doch zu entlarven. Sein Repertoire ist nicht auf Diskurs, sondern auf dessen Verweigerung ausgerichtet.

Flucht ins Banale ist eine seiner Methoden. Er erzählt mehr oder minder ungefragt, was er in seiner – selbstverständlich spärlichen – Freizeit alles gerne tue. Mit dem Hund spazieren gehen zum Beispiel. Oder Volksfeste besuchen. Oder eben Rasenmähen. Das alles ist irrelevant für die Einschätzung, wie er politisch tickt und ob er sich als Bundespräsident eignet.

Ausweichen, ablenken, vernebeln. Wird Hofer zur chronisch kritischen Haltung der FPÖ gegenüber der EU gefragt, verweist er auf das Parteiprogramm, das immerhin er selbst geschrieben habe, weshalb er wisse, was drinnen steht. Nämlich, dass Österreich Teil der Europäischen Union sei. Dank dieser Nona-Erkenntnis bleibt er zwar irgendwie beim Thema, ohne auf die Frage wirklich einzugehen. Das wäre so, als würde der Justizminister angesichts steigender Kriminalität darauf verweisen, dass Raub, Einbruch, Mord und Totschlag laut Strafgesetz verboten sind.

Norbert Gerwald Hofer ist zum Diskurs entweder nicht fähig oder aus politisch-taktischen Überlegungen nicht willens.

Eine andere, schärfere Waffe in Hofers Gesprächsarsenal ist Aggression. Nicht nur bei seinem gestrigen Auftritt, schon in diversen Interviews davor, ging er seine Gegenüber frontal und zum Teil untergriffig an. Er stellt schon die Frage an sich in Frage oder diskreditiert den Fragenden, der entweder nicht gut informiert sei oder nur böse Absichten hege. Im finalen ORF-Duell am Donnerstag steigerte er die Dosis ins schwer Erträgliche. Indem er seinen Mitbewerber um das Präsidentenamt unentwegt als „Lügner“ beschimpfte, versuchte er jeder Auseinandersetzung zu konkreten, unangenehmen Themen zu entkommen. Dabei übertrieb er dermaßen, dass offensichtlich wurde, was er unter intellektueller Auseinandersetzung versteht, welcher Geist sich hinter der durch den ganzen Wahlkampf aufgesetzten Maske verbirgt.

Austausch von Argumenten, Respekt gegenüber anderen Meinungen, Diskussion, auch leidenschaftlicher Streit sind Wesensmerkmale der Demokratie. Norbert Gerwald Hofer ist zum Diskurs entweder nicht fähig oder aus politisch-taktischen Überlegungen nicht willens. Dieser Wahlkampf hat klargemacht, dass es schwer bis unmöglich ist, mit ihm ein vernünftiges Gespräch zu führen, weil er dieses systematisch zerstört. Das ist antidemokratisch und gewiss keine Qualifikation für das höchste Amt im Staat.

*) Der Libero ist ein politisch denkender, von Parteien und Interessenvertretungen unabhängiger Bürger.

Artikel Schlagwörter : #bpwahl2016, Hofer, Van der Bellen
Ähnliche Artikel

Neuen Kommentar schreiben