Kurz lässt Kern und Mitterlehner weit hinter sich

ANALYSE. Vor allem mit seinen Äußerungen zur Türkei verschafft sich der Außenminister laut Google-Trends viel mehr Aufmerksamkeit als Kanzler und Vize zusammen.

Bei der Bundespräsidenten-Stichwahl hat sich gezeigt, wie aussagekräftig Google-Trends-Auswertungen sind. Wie berichtet haben sich die Österreicher im Vorfeld dieses Urnengangs mehr mit Alexander Van der Bellen als mit Norbert Hofer beschäftigt; Van der Bellen hat schließlich klar gewonnen. Auch die Nachfrage nach Flüchtlingsthemen ging signifikant zurück; das deckt sich wiederum mit Umfrageergebnissen.

Eine andere Auswertung sollte nun sowohl Kanzler Christian Kern (SPÖ) als auch Vize Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zu denken geben. Gegen Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) sind sie zumindest in den vergangenen vier Wochen ganz offensichtlich chancenlos gewesen; er liefert die großen Gesprächsthemen.

Was die Menschen beschäftigt, danach suchen sie im Netz; und zwar über den De-facto-Monopolisten Google. Also kann der Suchmaschinenanbieter ein sehr aufschlussreiches Bild dazu liefern, was Herr und Frau Österreicher interessiert.

Vor allem seine Aussagen zur Türkei bescheren ihm Aufmerksamkeit.

Beispiel: Ein Vergleich zwischen Sebastian Kurz, Christian Kern und Reinhold Mitterlehner. Kurz stellt seine beiden Regierungskollegen in den Schatten. Wobei sich nachvollziehen lässt, womit: Vor allem seine Aussagen zur Türkei bescheren ihm Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Am 14. November erreichte der 30-Jährige zuletzt in der Google-Trends-Auswertung seinen absoluten Spitzenwert. Am Rande eines Ministerrats in Brüssel hatte er da wissen lassen: „Keine Chance für Türkei-Beitrittsgespräche“. Am 28. November machte er – bei weitem nicht in dem Ausmaß, aber doch – wieder von sich reden. An diesem Tag gab es Meldungen über seine umstrittene Reise nach Mazedonien. Zuletzt erreichte er vor dem Wochenende wieder größere Aufmerksamkeit. Da trat er u.a. beim OSZE-Ministerrat in Hamburg auf und prangerte Menschenrechtsverletzungen etwa in der Türkei an.

Bemerkenswert: Kern und Mitterlehner schafften es seit Mitte November nicht annähernd, auch nur einmal an die Spitzenwerte, also die Nachfrage heranzukommen, die Kurz auslöste. Sie kamen im besten Fall nur etwa auf ein Viertel davon (siehe Grafik) – Kern am Abend der Bundespräsidenten-Wahl und Mitterlehner am Tag darauf, als er die ÖVP-Abgrenzung gegenüber der FPÖ eröffnete und diese ihn für seine Unterstützung für Van der Bellen kritisierte.

Überraschend bescheiden war die Wirkung, die Kern mit seinem Auftritt im „Klartext“ am 23. November erzielte, bei dem er Heinz-Christian Strache attestierte, Österreich weiterbringen zu wollen und eine jahrzehntelange Ausgrenzungspolitik beendete. Damit sorgte er zwar auch noch am Folgetag für mehr Suchanfragen nach seiner Person als Kurz und Mitterlehner, das aber auf bescheidenem Niveau: Gemessen am Kurz-Höchstwert von 100 musste er sich da mit einem Wert von 16 begnügen.

Artikel Schlagwörter : Kurz, Kern, Mitterlehner
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