#bpwahl16 Vorsicht Umfragen!

ANALYSE. Die Landtagswahlen im vergangenen Jahr haben gezeigt, wie weit die Meinungsforschung danebenliegen kann. Vor allem bei den Freiheitlichen.

„Van der Bellen, Hofer, Griss: Nur sie haben noch Siegchance“, titelt die Tageszeitung „Kurier“ eine Woche vor der Bundespräsidenten-Wahl am 24. April. Begründung: Laut einer OGM-Umfrage lägen Alexander Van der Bellen (Grüne), Norbert Hofer (FPÖ) und Irmgard Griss „Kopf an Kopf“, während Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) „out“ seien. Die angegebenen Werte untermauern dies. Doch schon das Kleingedruckte sollte zur Vorsicht mahnen: Die Schwankungsbreite macht plus, minus 3,4 Prozent aus. Griss könnte demnach zum Beispiel nicht 22 Prozent erreichen, sondern genauso gut 25,4 oder etwa 18,6 Prozent, Hundstorfer nicht 15, sondern 18,4 oder 11,6 Prozent.

Wie viel Abweichung möglich und daher Skepsis geboten ist, haben gerade die Landtagswahlen im vergangenen Jahr gezeigt. Zwei Wochen vor dem Urnengang in der Steiermark am 31. Mai hielt die FPÖ laut Market-Institut 17 Prozent. OGM und Gallup wiesen den Freiheitlichen 21,5 bzw. 21 Prozent aus. Erreicht haben sie letzten Endes jedoch viel mehr: 26,76 Prozent nämlich.

Mit dieser Erfahrung gingen die Meinungsforscher an die Gemeinderatswahl am 11. Oktober in Wien heran. Es half jedoch nichts. Im Gegenteil: Ein Wochenende davor hielt die FPÖ in einer Umfrage (OGM) 33,5 Prozent und in drei weiteren (Market, Gallup, Unique-Research) gar 35 Prozent. Demnach hätten die Freiheitlichen sogar die SPÖ überholen können, die 36 bis 37,5 Prozent hielt. Das Ergebnis ist jedoch bekannt: Die Sozialdemokraten schafften knapp 40, die Freiheitlichen „nur“ 31 Prozent.

Bei der Bundespräsidenten-Wahl 2016 zeichnen sich die größten Umbrüche ab, die es in der Zweiten Republik jemals gegeben hat. Umso schwerer ist es für die Meinungsforschung, die Stimmungslage auch nur einigermaßen zu erfassen. Sprich: Mit einer Überraschung muss gerechnet werden, Alexander Van der Bellen, Norbert Hofer und Co. könnten jeweils viel besser, aber auch viel schlechter abschneiden als vermutet.

Artikel Schlagwörter : #bpwahl2016, Bundespräsident, Wahl
Ähnliche Artikel

Kommentare

Sorry, der Hinweis mit der Scwankungsbreite ist unkorrekt. 3,4% gelten nur für einen Umfragewert von genau 50%. Griss' Schwankungsbreite ist 2,8%, jene von Hundstorfer sogar nur 2,4%.
Details dazu hier: http://www.sdi-research.at/aktuell/wissen/repraesentativitaet.html

lg VP

Neuen Kommentar schreiben