„Mystery Shopping“: WGKK trifft ins Schwarze

BERICHT. Bei acht von zwölf überprüften Ärzten sind bisher „Missstände bzw. Betrug“ nachgewiesen worden.

Vor allem die Wiener Ärztekammer protestiert gegen sogenanntes „Mystery Shopping“ und hat auch schon mehrfach eine Verfassungsklage dagegen angekündigt: Dass sich Vertreter der Gebietskrankenkassen als Patienten ausgeben und in Ordinationen ungerechtfertigter Weise um Krankschreibungen ersuchen, erinnere an „alte DDR-Zeiten, wo man ohne Skrupel Menschen ausspioniert und denunziert hat“. Ärzte wie Patienten würden unter den Generalverdacht des Betrugs gestellt, so die Kammer.

Wie parlamentarische Anfragebeantwortungen von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) gegenüber dem freiheitlichen Nationalratsabgeordneten Andreas Karlsböck, der selbst auch als Zahnarzt in der Bundeshauptstadt tätig ist, zeigen, hat die Wiener Gebietskrankenkasse jedoch eine hohe Trefferquote: Seit 2011 hat sie 66 „Testpatienten“ eingesetzt, zwölf Ärzte waren laut Oberhauser „von diesen verdeckten Ermittlungen betroffen“: In acht Fällen seien „Missstände bzw. Betrug nachgewiesen“ worden. In sechs davon sei es zur Vertragskündigung gekommen, in einem Fall zu einer Verwarnung und in einem zu „einer Information der MA 40 als sanitäre Aufsicht“.

Pikant: „Ein Testbesuch musste, da sich der Arzt zu diesem Zeitpunkt in Untersuchungshaft befand und die Ordination daher geschlossen war, abgebrochen werden.“ In lediglich drei Ordinationen habe „es keinen Hinweis auf vertragswidriges Verhalten“ gegeben.

„Mystery Shopping“ ist bisher ausschließlich von der Wiener Gebietskrankenkasse betrieben worden. Die übrigen acht Kassen von Boden- bis zum Neusiedlersee haben laut den Anfragebeantwortungen Oberhausers darauf verzichtet.

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