„Gegenschwarzblau.at“: SPÖ hat auf ihre Kampagne vergessen

BERICHT. Initiative zur Unterstützung von Werner Faymann wartet nicht einmal mehr ihre Facebook-Seite. Mit fatalen Folgen: Beschimpfungen gegen einen KZ-Überlebenden bleiben seit Monaten unkommentiert stehen.

Die Wiener Gemeinderatswahl war im vergangenen Jahr geschlagen, da startete eine Gruppe jüngerer Sozialdemokraten eine Internetaktion zum Sturz von Bundeskanzler und Parteichef Werner Faymann. Woraufhin eine Gegenkampagne initiiert wurde – für Faymann und gegen Schwarz-Blau. Sie hat sich nun jedoch verselbstständigt.

2721 Personen haben die Initiative „Gegenschwarzblau.at“ unterstützt. Als Träger wurden u.a. der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser, FSG-Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi und der KZ-Überlebende Rudolf Gelbard angeführt. Im Begleittext wurde auch auf die Gemeinderatswahl Bezug genommen: „Am 11. Oktober haben die Wienerinnen und Wiener ein deutliches, starkes Signal in die Welt hinaus getragen: Haltung, Menschlichkeit und Glaubwürdigkeit zahlen sich aus. Dieses Ergebnis war – in Anbetracht der besonderen Umstände dieser Wahl – ein Erfolg der menschenwürdigen und solidarischen Politik von Bundeskanzler Werner Faymann und Bürgermeister Michael Häupl. Deswegen ist es ungemein wichtig, jetzt diesen Schwung mitzunehmen und sich klar und vehement für eine Fortsetzung dieser Politik auf Bundesebene einzusetzen.“

Bemerkenswert ist, dass darauf vergessen worden ist. Faymann ist in der Flüchtlingspolitik auf einen „Zäune-, Obergrenzen- und Rückführungskurs“ umgeschwenkt. Auch die Kampagne selbst ist von den Initiatoren ganz offensichtlich aus den Augen verloren worden.

 Das letzte Posting zeigt Mernyi mit dem Ruf nach einer „Vorwärtspolitik“; es stammt vom 17. Oktober.

Doch lange haben sie sich darum ganz offensichtlich ohnehin nicht bemüht. Das zeigt die Facebook-Seite von „Gegenschwarzblau.at“: Gegründet wurde sie den dortigen Angaben zufolge am 15. Oktober. Das letzte Posting zeigt Mernyi mit dem Ruf nach einer „Vorwärtspolitik“; es stammt vom 17. Oktober.

Vor allem ein Facebook-User, der sich als „Franz Eigensinn“ ausgibt, tobt sich aus.

Seither überlässt man die Seite dem politischen Gegner. Vor allem ein Facebook-User, der sich als „Franz Eigensinn“ ausgibt und der anstelle eines Porträtfotos von sich eine rot-weiß-rote Flagge veröffentlicht hat, tobt sich aus – nicht nur mit Meldungen, wie „Muslime und RotGrün passen zusammen“ oder „Hauts ab von derer Seiten ihr linken Plücher“, sondern auch wüsten Ausfälligkeiten unter einem Gelbard-Foto („Ich bin gegen den grauslichen. vollgefressenen Haberer auf den Bild..“). Die erste davon stammt vom 30. November. Seither ist die Seite ganz offensichtlich nicht mehr gewartet worden. Sie stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Zeilen auf dieSubstanz.at jedenfalls noch immer unkommentiert dort (siehe Faksimile).

Das nachfolgende Faksimile zeigt einen Ausschnitt der Facebook-Seite „Gegenschwarzblau.at“ und stammt vom 11. Februar 2016, 11.30 Uhr. Im Laufe des Tages, also nach Erscheinen dieses dieSubstanz.at-Berichtes, wurden zumindest die fragwürdigen Postings, insbesondere jene von "Franz Eigensinn", entfernt.

Artikel Schlagwörter : Gegenschwarzblau, SPÖ, Kampagne, Facebook
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